Kirchensaal

Der Betsaal der Herrnhuter Brüdergemeinen ist kein Gotteshaus, kein Sakralbau, der aus sich selbst heraus heilig ist. Er ist ein Versammlungsort für die Gemeinde: für die gottesdienstliche Versammlung am Sonntag, aber auch für profane Versammlungen der Gemeinde.

Der erste Betsaal dieser Art wurde im Jahr 1726 in Herrnhut eingeweiht, drei Monate vor dem berühmtesten evangelischen Kirchenbau des Barocks: der Dresdner Frauenkirche. Heute sind die Betsäle der Gemeinen überall in dieser Weise gebaut. 

Es ist ein einfacher, rechteckiger Raum ganz weiß und darum sehr hell, ohne jeden Schmuck. Es gibt keine Bilder, keinen Altar, keine Kanzel und kein Kreuz. In der Mitte der Längsseite steht der Liturgustisch, an dem der Prediger sitzt, die Bibel auslegt und den Gottesdienst anleitet. Die Gemeinde sitzt auf einfachen weißen Holzbänken. Früher saßen die Frauen rechts, die Männer links. Der Saal hat zwei Emporen, ebenfalls ganz in weiß gehalten. Auf der einen Empore befindet sich die Orgel.

Der Betsaal wirkt sehr schlicht und zweckmäßig und daher manchmal auf Menschen, die reich gestaltete Gotteshäuser gewöhnt sind, überraschend einfach und auf den ersten Blick vielleicht nicht so einladend. Der Wert ergibt sich auf den zweiten Blick: hier ist alles auf Sehen, Hören und Beten ausgerichtet. Nichts Gegenständliches stört die persönliche Andacht. In der Schlichtheit liegt die ästhetische Erfahrung. So kann alle Aufmerksamkeit von außen nach innen gewendet werden. 

Die Grundsteinlegung des Kirchsaales in Neudietendorf erfolgte am 6. April 1779.  Nach für damalige Zeit unglaublich kurzer Bauphase konnte am 2. Dezember 1780 die Einweihung gefeiert werden. Heute befindet sich als Zugeständnis an die landeskirchlichen Gottesdienste der evangelisch-lutherischen Kirche, die hier ebenfalls stattfinden, ein schlichtes weißes Holzkreuz über dem Liturgustisch.